Sitzen Stege zu locker, so entziehen sie einer auftreffenden Kugel die Energie und ihr fehlt der Schwung um noch weiter über die Fächer zu reisen, sie bleibt also recht nahe am lockeren Steg liegen. Dieses natürlich immer unter Beachtung der Drehrichtung. Leider ist solch ein Effekt in Zeiten von CNC-gefrästen Scheiben selten zu finden, wo Scheibe und Fächer ein Werkteil bilden. Aber so manches Südsee-Casino ist recht säumig damit bei alten Mühlen jeden Steg fachgerecht mit dem Drehmoment-Schlüssel zu fixieren.

Schrauben unter den Stegen

Schrauben unter den Stegen

Die Fotos stammen von einem Klaus Kies Roulette-Kessel, den wir selber zerlegt haben. Hier sieht man die Unterseite der Scheibe und die zwei Schrauben, die pro Steg verwendet wurden. Manche Kessel kommen mit einer Schraube je Steg aus. Die Unterlegscheiben sollen ein lockern unmöglich machen, aber viele Croupiers lassen gerne mal die Fingerkuppen im Kessel rattern; das lockert über einen gewissen Zeitraum jeden Steg.
Die Stege unterliegen natürlich auch gewissen Toleranzen in der Breite. Diese sind zwar mit dem Auge kaum sichtbar und selbst mit einer guten Schiebelehre nur schwerlich messbar, aber für eine Kugel stellt ein breiteres Fach langfristig ein besseres Angebot dar, als manch enges Fach nebenan. Ungenau justierte Stege sind selten zu finden, aber erwähnenswert. Ein Steg ist eine Hürde, die die Kugel überspringen muss, um zur Nachbarzahl zu gelangen, daher sind Unterschiede hier auch spürbar. Man kann dies sehen, wenn man eine Lichtquelle auf einen Bereich des Rotors richtet und sich die Reflexion ansieht. Ein perfekter Kessel bietet immer die gleiche Reflexion, ein erhöhter Steg ist als Bruch in der Reflexion sichtbar. Das Prinzip ist ähnlich dem Radspeichentest, bei dem Unwuchten an Fahrradreifen geprüft werden.
Man beachte, wie bei dem hier verwendeten Kessel die Stege einzeln mittels feinster Aluminiumfolienstückchen auf Höhe justiert werden - eine mühevolle Arbeit, die wohl kaum perfekt war. Heutige Kessel sind oft aus einem Stück gefräst, und wohl zu 99,99% stegrein.

Steg mit Aluminiumplättchen

Steg mit Aluminiumplättchen

Schlecht gefräste Stege gibt es auch. Früher war ein Steg ein einzeln, teilweise in Handarbeit, produziertes Teil, das Schwankungen in der Fertigungsqualität unterlag. Das Profil der Oberkante des Stegs bestimmt das Sprungverhalten der auftreffenden Kugel. Ein Stegfehler kann in den Daten sichtbar werden, wenn z.B. in einer Richtung die 7 überzufällig erscheint und in der anderen Richtung die 28. Heutzutage sind die Stege und die Fächer aus einem Werkteil gefräst, aber wenn man einmal mit dem Hammer draufhaut kriegt man auch moderne Stege krumm.

[Diesen und weitere Artikel über Kesselfabrikate findet man im aktuellen Buch Roulette und Physik ]

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